Aller Anfang ist schwer

Im Folgenden mal ein paar Eindrücke aus unserem bisherigen Vanlife.

Am Anfang im Winter standen wir in Tuttlingen am Donauspitz. Wir stellten uns erst einmal brav in die Camperecke. Das ist die dunkelste Ecke am Donauspitz. Dort standen wir aber nicht alleine. Ein weiteres Auto stellte sich oft direkt neben uns. Startete mitten in der Nacht den Motor für ein paar Minuten und war dann wieder still. Früh am morgen verschwand er dann immer um sich am Abend wieder an Plötze zu kuscheln. Nach ein paar Nächten machte Larry mal die Bekanntschaft des Fahrers. Es war ein Bulgare der eben seine Wohnung verloren hatte. Larry hatte dann das Ziel, eine Wärmflasche zu besorgen und ihm unseren zweiten Gaskocher zu vermachen. Leider sahen wir ihn daraufhin nicht mehr.

Einmal kam ich mitten in der Nacht nach Hause, und fand Plötze eingekesselt vor. Ein Auto neben ihm, ein Auto vor der Schnauze. Das beunruhigte mich sehr. Larry ließ sich davon jedoch nicht um seinen Schlaf bringen. Ich startete Plötze und war sehr erleichtert, als die anderen Autos mir brav Platz machten. Seit dieser Nacht schliefen wir auf dem normalen, kostenlosen Parkplatzteil des Donauspitzes. In der Camperecke darf man ohnehin nur drei Nächte stehen.

Dann entdeckten wir die Stromzapfsäulen für E-Autos, und missbrauchten sie. Als Wohnmobil kann man mit dem richtigen Anschluss an manchen E-Zapfsäulen Strom ziehen. Dafür haben wir uns in einer App registriert und bisschen was gezahlt. Außerdem achteten wir darauf, keinen der Parkplätze zu besetzen, die für E-Autos ausgeschrieben waren. Wir stellten uns stattdessen auf den freien Parkplatz direkt daneben. Somit waren wir uns sicher, keine Straftat zu begehen. Einige engagierte Bürger von Tuttlingen sahen das anders. Sie waren sehr empört und das brachte uns eine heiße Diskussion mit einem Beamten der Stadt ein. Da wir aber tatsächlich nichts Widerrechtliches getan haben, blieb es bei dieser Diskussion. Auch unser Gewissen ist nicht beschwert, da wir auf diesen vier E-Auto-Parkplätzen niemals mehr als zwei Autos am Laden sahen.

Für uns war das jedoch ein Fortschritt wie für die Steinzeitmenschen, als sie Feuer entdeckten!

Dort hielten wir es dann März und April aus. In der öffentlichen Toilette nebenan wurde zwar regelmäßig Party gemacht und randaliert, ganz zum Leidwesen der armen Putzfrau, und wir waren ziemlich exponiert, vor allem weil die Tuttlinger ein sehr neugieriges Volk sind, aber wir konnten von hier aus alles Wichtige zu Fuß erreichen, hatten eine Toilette und Strom.

Früher oder später wird man als Camper mit der Frage konfrontiert, wie man mit einer Krankheit umgehen soll. Ich hatte im Vornherein beschlossen, in der Zeit nicht krank zu werden. Ich war also überhaupt nicht darauf vorbereitet, als das Leben mir die Frage stellte, wo man sich in Plötze hin übergeben soll. Ich überlegte zu lange. Anschließend war mir hundeelend, ich lag in einem stinkenden, vollgekotzten Plötze, und musste mich aufraffen alles zu Putzen. In einer Wohnung wäre ich einfach ganz schnell entweder ins Bad, an einen Mülleimer oder an ein Waschbecken gekommen. In Plötze hab ich in einem einzigen effektiven Brechstrahl die Küche, das Bad und das Bett erwischt. In einer Wohnung hätte ich es schnell beseitigt bekommen und hätte dann nichts weiter tun zu brauchen, als zu genesen. In Plötze geht das Vanlife erbarmungslos weiter. Ob du krank bist oder nicht. Das heißt in meinem Fall, dass ich hundeelend meine eigene Kotze von schwer zu reinigenden Oberflächen weg putzen musste, und dann auch noch das Wasser ausging…

Im Mai war Larry dann arbeitslos. Wir stellten uns zu seinen Eltern nach Liptingen, wo er handwerklich aktiv wurde und ich pendelte. Die Arbeit forderte mich, ich hatte keine Zeit und Energie unsere Hochzeit oder Plötze vorzubereiten und ich schob alles auf die Woche vor unserem großen Fest. Wenn ich meinen letzten Arbeitstag gehabt haben würde und plötzlich voller Kraft und Elan Plötzes Innenausbau vorantreiben würde, nebenher noch mein Hochzeitskleid fertig nähen würde und ausserdem noch viel Zeit fürs Bouldern haben sollte. Aber abgesehen davon, dass diese Vorstellung ohnehin nicht zu erfüllen war, kam, dass wir beide nacheinander krank wurden. Die Moral war im Keller. Aber immerhin wurde die Vorbereitung unserer Hochzeit zum Selbstläufer.

Nochmal Danke an die wunderbaren Helfer 🙂

Jetzt sind wir seit etwa einer Woche unterwegs. Haben kaum die Hälfte unserer Vorhaben umgesetzt und ich hab es immer noch nicht ganz geschafft diese Ankomm-Mentalität abzustreifen. Im Vorhinein hatte ich gedacht, ich könnte endlich mein Gitarrenspiel auffrischen. Massenhaft Bilder malen. Dieses und jenes erleben und ansehen und dabei immer ganz gechillt sein. Habe bisher noch nichts davon so richtig geschafft (ganz davon zu Schweigen, dass wir die Gitarren vergessen haben). Frage mich regelmäßig wo der nächste Starbucks ist, und versuche immer die nächste Dusche zu organisieren. Die Mücken fliegen uns über den Haufen und der Heuschnupfen beutelt uns.

Ich denke ich brauche also noch ein wenig Gelassenheit und Zeit, um endlich im Hier und Jetzt anzukommen. Aber als ich letzte Nacht mit weichem Sand zwischen den Zehen das Gewitter über dunklen Wellen sah, wurde mir ein wenig bewusst, dass wir endlich die Reise machen, die wir seit Jahren planen.

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