Barfrau im Outback Australiens

Als ich 20 Jahre alt war, flog ich für ein Jahr nach Australien. Eigentlich wollte ich Flugbegleiterin werden, aber man lehnte mich ab wegen meiner Größe bzw. Höhe (zu klein). Und was macht man wohl, wenn man nicht weiß wohin mit sich? Nach Australien mit dem Backpack.

Planlos und zu allem bereit

Bereits im Flieger unterschied ich mich von den anderen wohl darin, so gar keinen Plan zu haben. Anstatt den Marco Polo Reiseführer auswendig zu lernen, überlegte ich mir, wie ich so schnell wie möglich an einen Job gelangen konnte.

Und siehe da, in Sydney fing ich zwei Tage später in einer Lagerhalle an Kisten zu schleppen. Denen war ich wohl nicht zu klein. Nach einer Woche beförderte man mich zum Chef-Etikettierer. So verbrachte ich meinen ersten Monat als einzige Deutsche und Mädchen zwischen zwei Meter großen und breiten Neuseeländern und etikettierte was das Zeug hält.

in the middle of nowhere

Dann machte ich mich auch schon auf den Weg in mein zweites Abenteuer. Ich ergatterte mir einen Job als Barfrau in Euabalong (Eua…was?). Elf Stunden Busfahrt durch flaches Ödland landeinwärts später lud mich der Busfahrer in Euabalong ab.

Hier liegt Euabalong.

Euabalong ist ein 30 Seelen Dorf, wahrlich „in the middle of nowhere“. Der über 70 jährige Chef und Besitzer des Countrypubs John sammelte mich ein und begrüßte mich in meinem neuen Zuhause für die nächsten zwei Monate. Schnell begriff ich, dass der Pub das Zentrum der Dorfbewohner war. Die Rentner verbrachten jeden Tag von elf bis Schluss bei mir an der Bar und die Schafscherer und Landwirte jede freie Minute außerhalb ihrer Arbeitszeit.

Anfangs noch mit Schwierigkeiten, die Sprache des Outbacks durch faulige Zähne und Alkohol-aufgeweichte Gehirne zu verstehen, akzeptierten mich die rauen Seelen schnell als Barfrau, Seelenklempnerin, Freundin und wohl wichtigste Person im Dorf, um den unsäglichen Drang nach Alkohol vor, während und nach der Arbeit zu stillen.

Um die berühmten, giftigen Spinnen Australiens zu bewundern, musste ich nicht mal das Pub verlassen. Die durfte ich regelmäßig mit einem Besen rausjagen. Hier zu sehen ist eine liebe Funnel Web Spider.

Die Hobbies im Ödland

Im Gegenzug nahmen mich die Outbackianer mit auf all die schönen Dinge, die man zum Zeitvertreib macht, wenn man abgeschottet ist von Zivilisation, Internet und was uns sonst so als selbstverständlich erscheint.

  • Angeln
  • Schafe scheren
  • mit dem Quad mit 90 Sachen durchs Unterholz jagen und Kängurus mit bloßen Händen fangen und wieder laufen lassen
  • mit dem Gewehr auf Glasflaschen aus dem Auto schießen
  • Wildschweinjagd mit dem Messer (lehnte ich dankend ab)
  • und viele, viele Rugby Spiele à la Outback-Art. Blutige Nasen, gebrochene Knochen, ausgekugelte Glieder, K.O.s, und egal wie blutig das Spiel, man lag sich danach freundschaftlich und natürlich schwer angetrunken in den Armen.
So ein Känguru rast mit 50Km/h durch die Gegend.

Zumindest ist das wohl eine Art, wie sich eine kleine Gruppe Menschen entwickeln und überleben kann, wenn man so kontaktlos ist zum Rest der Welt. Der Outbackianer ist wohl ein wildes und ungepflegtes Geschöpf, jedoch frei von Neid und Missgunst.

Die Lektion aus der Geschicht, Alkohol löst viele Probleme, das Internet nicht.

3 Gedanken zu “Barfrau im Outback Australiens”

  1. Frei von Neid und Missgunst. Wollen wir alle sein und sind es von Natur aus auch. Unser soziales miteinander in Europa aber pflegt das Konkurrenzdenken. Es fängt schon in der Grundschule an, mit den Noten. Das traumatisiert Kinder. Und dann kommen diese Idioten von PISA daher und erzählen ganzen Nationen ‚Ihr müsst eure Kinder noch mehr triezen‘. Grusel, grusel. grusel …..
    Es ist schön, dass du solches in Eubalong erleben durftest Laura. Zwar saufen sie und haben kaum Zähne, sind aber wohl sehr menschlich.
    Wieso warst Du keine Wildschweine jagen? Bei uns gibt es auch genug und Du wüsstest wie man das macht.

  2. Das sind ganz schön spannende Dinge die du in Australien erlebt hast. Besonders das „mit dem Gewehr aus fahrenden Autos schießen“ und „Wildschweine mit dem Messer jagen“ klingt amüsant 😀 du hast bestimmt viele praktische Dinge gelernt. Ich frage mich, welche Themen die angesäuselte Australische Seele wohl so eingenommen haben. Klimawandel? Geldsorgen? Die Frau des nächsten Nachbarn 100 km weit weg vom eigenen Gut? Und ich weiß nicht woran es liegt, aber die Spinne sieht aus als würde sie Lächeln.

  3. Allerhand, ein spannendes Drehbuch wert! und doch Realität. Ich meine , für einen Australientrip sind diese Erfahrungen doch outstanding! Wer weiss, wenns den Alkohol nicht gäbe, gäbe es vielleicht doch auch Neid und Missgunst unter den Leuten?
    Toller Bericht, einmalige Erfahrung!!!!

    PS ich hasse Spinnen!!!

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