Einmal Nordkap und zurück (oder: endlich wieder WLAN!)

Wir haben es endlich einmal wieder geschafft, ein Café mit freiem WLAN aufzustöbern. Seit dem letzten Beitrag sind jetzt schon 10 Tage vergangen, in denen wir Längs durch Finnland ans Nordkap gefahren sind.

Diverse Reisende hatten uns darauf vorbereitet, dass die Strecke durch Finnland recht langweilig sein würde: viel Wald und ab und an ein See oder Fluss auf dem Weg. So ungefähr stimmt das auch, dennoch waren wir nach der Strecke durch die baltischen Staaten froh, eine nahezu unbegrenzte Auswahl an schönen Schlafplätzen zu finden.

Ein besonders schönes Plätzchen konnten wir auf halber Strecke zwischen Parikkala und Oulu an der E6 finden (Koordinaten: 63.560553,29.017439).

Ein wunderbarer Platz an einem Badesee, direkt an der Straße

Tagsüber war es hell genug, um ungestört von Mücken unter den Bäumen zu lümmeln…

Das Sinnbild der Faulenzerei: Larry in der Hängematte

… und warm genug, um im See eine Runde schwimmen zu gehen. Alexa hat sich auch am nächsten Morgen nochmal ins Wasser getraut, das war mir dann aber zu frisch.

Um Larrys Faulheit auszugleichen, schwimmt Lexi für beide im See

Es gab noch andere schöne Plätze, die wir angesteuert haben, jedoch wurde das Wasser mit zunehmenden Breitengrad immer lebensfeindlicher (also kälter) für uns, weswegen wir ungefähr ab dem Polarkreis maximal noch die Zehen ins Wasser getunkt haben. Apropos Polarkreis: Bei Rovaniemi wohnt der Weihnachtsmann, in einem Dorf direkt auf dem besagten Polarkreis.

Bevor wir jedoch dorthin gelangen konnten, mussten wir leider eine Hürde nehmen, die Plötze nicht aus eigener Kraft überwinden konnte.

Nach einem missglückten Wendemanöver…

Ein vielversprechender See, eine tückische, nasse Wiese und Plötze war eingegraben. Zwei Stunden lang haben wir versucht, eine Startbahn mit Holzlatten zu bauen. Dann hat es noch einmal eine halbe Stunde gedauert, bis der Pannendienst uns raus gezogen hat. Total verdreckt und zerstochen (danke an die Mücken) und 250€ leichter ging es dann weiter.

Der Weihnachtsmann lebt in einer WG mit einem Imbiss, einem Souvenirladen und…

Das Weihnachtsmann-Dorf dürfte so ziemlich der touristischste Ort sein, den wir auf unserer Reise bisher angesteuert haben. Kaum verwunderlich, dass das Dorf mitten im Sommer sein Potential nicht ganz zur Geltung bringen konnte.

… ein paar Ferkel-Troll-Gnomen. Das sind richtige Metalheads, die gerne für ein Foto posiert haben.

Trotz einiger wunderlicher Entscheidungen, was das Angebot der Souvenirläden (ja, es gibt mehrere in diesem Dorf) angeht, hat immerhin die Dekoration des persönlichen Bereichs des Weihnachtsmannes eine schöne Weihnachtsstimmung aufkommen lassen.

Die fleißigen Weihnachtselfen bei der Arbeit. Wenn wir mal Kinder haben, verkleiden wir uns für das Weihnachtsfest ebenso!

Der Weihnachtsmann selbst war auch anwesend, um sich tagtäglich die Sorgen und Wünsche unzähliger Kinder anzuhören. Da wir selber keine Sorgen und Wünsche hatten, haben wir seine Zeit nicht weiter in Anspruch genommen. Er schien jedoch ganz glücklich bei seiner Arbeit zu sein.

Alles in allem war Finnland eine nette Etappe, jedoch stimmt es schon, dass die Strecke nicht viel Abwechslung bot. Erwähnenswert sind noch die Rentiere, die über dem Polarkreis in Scharen durch die Gegend laufen und sich auch nicht vom Verkehr beeindrucken lassen. Man muss beim Fahren zwar ein bisschen aufpassen, aber eigentlich sind Unfälle unwahrscheinlich. Die Strecken sind gerade, man sieht die Rentiere also schon von weitem. Außerdem haben wir bisher noch kein Rentier rennen sehen. Es wird sich also wahrscheinlich auch kein Rentier aus dem Wald vors Auto stürzen, so wie es die deutschen Rehe zu tun pflegen.

Das Rentier sieht zwar Achtsam aus, aber eigentlich ist es ihm egal, ob ein Auto kommt oder nicht.

Als wir dann die norwegische Grenze überquert hatten (nicht ohne vorher nochmal vollzutanken und kräftig einzukaufen), dauerte es nicht lange bis zur Erleuchtung. Von jetzt auf gleich spürten wir beide den Wendepunkt unserer Reise. Das Wasser war klarer, die Farben waren frischer, der Blick ging weiter. Es ist schwer zu beschreiben, aber klar war da schon, dass Norwegen das bisherige Highlight ist! Zu keiner Gelegenheit hatten wir bisher so viele Fotos aus dem fahrenden Auto geschossen. Zu keiner Gelegenheit hatten wir uns nicht an unserer Umgebung satt sehen können. Auf dem Land muss irgendeine Magie wirken, die uns berauscht und euphorisch macht. Ein Indiz dafür ist, dass kein einziges unserer Fotos von der Fahrt zum Nordkap das wiedergeben kann, was wir gesehen und gefühlt haben. Sobald wir unseren Zwischenstopp in Deutschland machen, besorgen wir uns eine neue Kamera 🙂 Ansonsten möchte ich euch trotzdem ein paar der Bilder zeigen, die wir auf der Fahrt geschossen haben.

Lexi am See
Lexi betrachtet das Ende der Welt. Zumindest sah der Horizont so aus, als wäre der Rand der Welt von ein paar Bergen umrahmt.

In höheren Lagen lag sogar Schnee. Im Juni. Schweinerei!

Schnee im Sommer…

Das Nordkap haben wir dann auch noch vor der Sommersonnenwende zur Titelmusik von Skyrim erreicht. Ein sehr erhabenes Gefühl, auch wenn es sich beim Nordkap um wenig mehr als ein paar großer Felsen und viel Geröllwüste handelt. Nicht falsch verstehen, die Entscheidung, ans Nordkap zu fahren, war gut!

Etwas sauer aufgestoßen hat nur die Parkplatzgebühr von 60€. Auch waren richtig viele Wohnmobiltouristen und Reisebusse da, von denen wir uns erst eine spaßige Sommersonnenwend-Feier erhofft hatten. Tatsächlich waren es aber fast ausschließlich Rentnerpärchen, die wenig mehr taten als essen, schlafen und Fotos schießen 🙁

Nichtsdestotrotz haben wir die Zeit gut herum gebracht. Am Nordkap gibt es ein kleines Museum, ein Panoramakino und einen (dieses mal) schönen Souvenirladen, die wir alle unsicher gemacht haben. Auch durfte ich aus Gründen (einstellige Temperaturen) unsere Dieselheizung reparieren. Und glücklicherweise haben sich pünktlich zum 21. die Wolken verzogen, sodass wir die Mitternachtssonne in ihrer vollen Pracht genießen konnten.

Die Mitternachtssonne am 21.06. vom Nordkap aus gesehen. Dies waren auch die einzigen wolkenfreien Stunden.

Gerne stelle ich noch ein paar andere Bilder ein, damit man einen Eindruck davon bekommt, was man vom Nordkap erwarten kann.

Der Nordkap Zipfel. Der Film im Panoramakino zeigt ein Pärchen, das oben auf dem Globus sitzt. Wir haben uns das nicht getraut.
Das ist das Zentralgebäude. Hier sind, auch unterirdisch, Restaurant, Hotel, Kino, Museum und Souvenirladen untergebracht.
Lexi lässt sich den Weg zeigen
Das Hinterland vom Nordkap. Eine weite Geröllwüste.
Aussicht auf das Nordkap.

Solange das Wetter hielt, haben wir die Zeit in Norwegen genossen. Auf dem Weg nach Süden haben wir uns noch getraut, vom Weg abzuweichen und einer teilweise verschütteten und zerbrochenen Straße in die Berge zu folgen. Dafür wurden wir mit einem höchst abgelegenen und privaten Platz für die Nacht belohnt. Nur wir, die Berge, Flüsse, Seen und eine Herde Rentiere. richtig kitschig 🙂

Ein versteckter Ort ( 70.661242,25.351955 ), den man am besten mit einem Geländefahrzeug oder mit Glück und Mut auch mit einem Plötze anfährt.
Die andere Sicht zeigt Richtung Küste.

Dann hat sich das Glück leider ein bisschen gegen uns gewendet. Das Wetter ist regnerisch und kalt geworden, Essen und frische Wäsche sind ausgegangen und wir konnten uns schon seit einer Weile nicht mehr waschen. Das hat uns ziemlich die Laune verdorben, was wohl auch ein Grund dafür war, die Lofoten erstmal links liegen zu lassen und schleunigst Richtung Süden zu fahren. Wir haben uns für den bottnischen Meerbusen entschieden und stehen jetzt am Hafen von Luleå.

Das hat uns zwar 25€ pro Nacht gekostet, dafür haben eine Waschmaschine, heiße Duschen und sogar eine Sauna völlig neue Menschen aus uns gemacht. Und nun sitzen wir endlich im besagten Café und können unsere Berichte schreiben. Wir werden noch ein Stück weit gen Süden fahren und wechseln dann noch einmal nach Norwegen, da sich Schweden landschaftlich leider eher Finnland annähert 🙂

2 Gedanken zu “Einmal Nordkap und zurück (oder: endlich wieder WLAN!)”

  1. Larry, also bis auf die Sache mit den Mücken, macht es mich sehr an mal nach Skandinavien zu fahren. Ah, nur Wälder, kein wlan mit E-mails wie ‚Herr Geafer können sie ihren Einkauf fragen wo die Zahlung bleibt?‘ oder ‚Du Werner die Teile sind gekommen und passen nicht zusammen. Hast du das konstruiert?‘, ab und zu ein Elch als einziges menschliches Wesen weit und breit, keine quengelnden Plagegeister die sich alle 20 Minuten mit ‚Wann sind wir da‘ melden, hier und da ein Truckstop wo man mit bärtigen rauen Gesellen, so quasi unter Männern, sich einen Elchveggiburger reinzieht und dazu vergorene, alkoholfreie Elchmilch trinkt.
    Ja, könnte meine Welt sein.
    Stopp!!!
    Bis auf den Nordkap und den 60 EURO. Habt ihr die echt bezahlt? Nur um da zu parken? In manchen Ländern kann man dafür in ein 4-5 Sterne Hotel. Habt ihr nicht mit denen verhandelt? Ihr seid doch Schwaben. Z.B sagen, dass ihr euch für eine Woche dann kein Essen kaufen könnt, oder ihr müsst Geld sparen um die Operation von einem Onkel, Tannte oder so ähnlich zu bezahlen. Wozu hat man Verwandte schließlich.
    Naja, ich sehe schon, ihr müsst den kreativen Umgang mit der Wahrheit noch lernen.

    1. Ach Werner, sieh es mal so: Hier in Norwegen sind 60€ Peanuts, da bekommst du eh kein Essen für eine Woche 🙂 Außerdem haben wir nicht nur für den Parkplatz, sondern auch für eine super Mittsommer-Party mit den anderen Touristen bezahlt. Die war nur leider zu subtil und langweilig für uns.
      Die Standardantwort an die Produktion, die zu 99% der Fälle auch stimmt, ist: „Sind die Teile auch so wie ich sie gezeichnet habe, oder hat die qs wieder Mist durchgewunken?“ Ehrlich gesagt vermisse ich das ein wenig, ich habe wohl noch nicht lange genug gearbeitet, dass es mir schon zum Hals raushängen könnte. Aber man soll ja aufhören wenn es an schönsten ist, oder?
      Ansonsten kann ich nur empfehlen, hier hoch zu kommen. Mit den Mücken kommt man bei entsprechendem Wetter (Mittagssonne) auch klar. Und in der Nacht im Womo einfach für entsprechenden Schutz sorgen. Es ist nur schade, dass man Abends nicht gemütlich draußen sitzen kann, aber auch dafür gibt es Lösungen…
      Einen Elch haben wir bisher tatsächlich noch nicht gesehen, obwohl die sicher doppelt so groß wie die Rentiere sind 🙁 aber wenn wir bald abseits der Hauptstraßen durch Schweden wieder nach Norwegen fahren, bekommen wir vielleicht was zu sehen.

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