Mollywood

Vor drei Wochen habe ich mich in den Flieger nach Malaysia gesetzt, um in einem Film mitzuspielen. Wirklich gewusst, was mich da erwartet, habe ich nicht. Und ich hätte auch deutlich mehr Bammel gehabt, hätte ich es gewusst^^

Gleich vorweg, über die Dreharbeiten, wo wir waren und was wir gemacht haben, kann ich noch nicht zu sehr ins Detail gehen, da ich ein NDA unterschrieben habe. Sobald der Film (bzw. der erste Teil davon) draußen ist, hole ich das aber nach!

Alle Flüge gingen mit Qatar Airlines – gottseidank! 16h Flugzeit sind auch so schon ganz schön hart.

Der Flug ging zuerst nach Doha in Qatar und von dort dann nach Kuala Lumpur. Qatar Airlines gehört, wie bisher alle arabischen Airlines, die ich kenne, zu den Besten. Die Flüge an sich waren also recht komfortabel, auch wenn ich es leider nicht hinbekommen habe, Schlaf zu finden. Dementsprechend war ich bei Ankunft in Kuala Lumpur seit über 24h wach und habe mich richtig auf eine Dusche und eine gute Mütze Schlaf gefreut.

Das Unternehmen, das den Film produziert hat, hat mich gleich vom Flughafen abgeholt und ins Hotel verfrachtet. Zeit für eine Dusche hatte ich gerade so, dann ging es aber ins Büro zum gemeinsamen Abendessen und Kennenlernen der Crew sowie der anderen Darsteller. Das war schon ganz schön wild, in diesen Haufen aus Leuten rein geworfen zu werden und da mit meinen nicht ganz gepflegten Englisch-Kenntnissen durch zu kommen. Die anderen Darsteller schienen sich da deutlich wohler zu fühlen und hatten auch nicht mit Sprachbarrieren zu kämpfen.

Die Darsteller

Alle Darsteller nach einem nassen Abenteuer versammelt. Von links nach rechts: Larry, Merita, Aggie, Olivia und Seth.

Thema des Films ist „differences aside“, weswegen die Darsteller verschiedene Nationalitäten und Hintergründe besitzen. Merita ist Australierin, hat einen 9to5 Job und wohnt in ihrem Haus. Aggie ist Chinesin und befindet sich seit Ende ihrer Ausbildung auf Reisen. Sie hält sich mit Gelegenheitsjobs und ihrem Blog über Wasser. Olivia, Indonesierin, arbeitet in der Medienbranche und ist nebenbei Social-Media-Influencer. Seth ist gebürtiger Malaysier, kam aber Aufgrund häufiger Jobwechsel des Vaters schon überall auf der Welt herum. Zur Zeit studiert er Deutsch und Computerwissenschaften in Kuala Lumpur. Alles in allem waren wir eine bunte Truppe, sind uns aber ziemlich schnell ans Herz gewachsen. Kulturelle Unterschiede gab es, standen uns aber nie im Weg.

Die Dreharbeiten

Die Dreharbeiten führten uns und die Filmcrew nach Perak, einem Bundesstaat in Malaysia. Der Zeitplan war ziemlich straff, es wurde an 5 Tagen gedreht, jeden Tag an einem anderen Ort. Dementsprechend gab es auch wenig Gelegenheit zum Schlafen, besonders am ersten Tag. Um 3 Uhr ging es bereits los, auf die Fahrt Richtung Norden.

Schon im Auto wurden Kamera und Mikrofon ausgepackt, erste Interviews geführt und allgemein alles festgehalten, was wir Darsteller so miteinander sprachen. Irgendwann wurden wir dann mit Mikrofonen verkabelt, um auch wirklich alles, was wir sagten, aufnehmen zu können. Das wir auch außerhalb der „offiziellen“ Dreharbeiten auf Schritt und Tritt verfolgt und gefilmt wurden, hat sich bis zum Schluss durchgezogen. Das gab dann ziemlich viel „behind the scenes“ Material. „Act natural“ war ein häufiges Kommando 🙂

Besonders dieser Kerl ist uns auf Schritt und Tritt gefolgt um so viel Material wie möglich zu sammeln.

An die permanente Überwachung haben wir uns einigermaßen, aber nie vollständig gewöhnt. Die schönsten und lustigsten Momente und die tiefgründigsten Gespräche sind immer dann entstanden, wenn die Kameras aus waren. Zum Leidwesen der Regisseure.

Schlimm waren die Interviews. Die Darsteller wurden einzeln, in verschiedenen Konstellationen oder in der Gruppe interviewt. Es wurden dann Fragen zur eigenen Person, zur aktuellen Situation oder (im Einzelinterview) zur Meinung über die anderen Darsteller gestellt. Ich, der weder schnell im Denken, noch besonders eloquent ist und vor allem nicht so viel Übung im Englisch Sprechen hat, hatte so meine Probleme damit. Besonders am ersten Tag, an dem ich auch richtig übermüdet war, waren die Interviews der größte Horror den ich bis dahin erlebt hatte.

Dazu kam, dass eigentlich die ganze Zeit fremde Menschen um mich herum waren, mit denen ich irgendwie zu interagieren hatte, wir Darsteller immer abrufbereit sein mussten und es ganz allgemein keinen Rückzugsort für mich gab, wo ich dem Ganzen Trubel wenigstens kurzzeitig entfliehen konnte. Auch habe ich mir, mangels Kommunikationsmöglichkeit, viele Sorgen um Alexa gemacht. Sie war ja das erste Mal alleine mit Plötze unterwegs. Und dass sie mich, falls etwas passiert wäre, nicht kontaktieren konnte, hat mich besonders gewurmt.

Alles in allem war der erste Tag einer der schlimmsten, die ich seit langem erlebt hatte. Ein Tag, von dem es nur noch bergauf gehen konnte.

Ich habe mir angewöhnt, Tagebuch zu schreiben. Das tat ich dann auch bei jeder Gelegenheit. Immer wenn ich interessantes gehört oder erlebt oder wenn ich besonders tiefgründige Gedanken gewälzt habe, schrieb ich es auf. Zumindest, wenn ich Zeit hatte, was nicht so häufig vorkam. Das führte dazu, dass ich Erlebtes besser verarbeiten konnte und es hat sich auch in den Interviews bezahlt gemacht. Ich hatte auch das Gefühl, dass mich die Crew am häufigsten für Paar-Interviews und zusätzliche Interviews ausgewählt hat. Na Toll^^

So z.B. sah ein Gruppeninterview aus. Ein hübsches Set, mindestens 4 Kameras und die Regie.

Die folgenden Tage haben wir Action, Natur, Kultur und jede Menge Interviews erlebt. Wir Darsteller lernten uns untereinander immer besser kennen (mit ein paar interessanten „eye-openern“) und freundeten uns mit der Zeit immer weiter miteinander an.

Teilweise hatte es richtig Spaß gemacht, wenn wir Dreharbeiten in der Stadt hatten. Man fühlt sich schon besonders, wenn man durch die Touri-Zone geht, eine 20-Mann-Filmcrew jeden Schritt mitverfolgt und die anderen Passanten neugierig schauen, was da los ist. Mit der Zeit wurden wir auch immer mutiger und bauten hier und da mal ein paar Späße vor laufender Kamera ein.

Die neuen Sternchen beim Film. Ich hatte mir vorher leider einen ziemlichen Sonnenbrand geholt, weswegen ich den ganzen Tag diese Kappe tragen musste. Ich sehe schon ein bisschen wie ein deutscher Touri aus, oder?

Nach 5 Tagen hieß es dann auch schon wieder (tränenreich) Abschied nehmen. Merita, Aggie und Olivia sind nach Hause geflogen, Seth und ich sind in Kuala Lumpur geblieben. Zusammen haben wir die Hauptstadt unsicher gemacht, aber ich nutzte die Zeit auch noch um allein ein wenig zu reisen, bevor es dann wieder zurück zu Lexi und Plötze ging. Was ich da so gemacht habe, erzähl ich aber ein andermal.

5 Gedanken zu “Mollywood”

  1. Hi Larry,

    Du bist wahrscheinlich gut erhalten in Europa angekommen und musst noch die vielen Eindrücke verarbeiten.

    Alexa hat sich bestimmt auch total gefreut.

    Ich freue mich für Dich/ Euch, bin gespannt auf weitere Details und wie es sonst weiter geht.

    Viele Grüße

  2. Wow, klasse Larry,
    was für ein Abenteuer, auch das Foto ist richtig entspannt, und glüchlich siehst du aus! Bist du immer noch in Kontakt mit den anderen Darstellern?

    1. Hey,

      also glücklich war ich auf jeden Fall, besonders zum Zeitpunkt des Fotos 🙂 Auch im Nachhinein würde ich mich immer wieder dazu entscheiden, auch wenn die Zeit nicht immer leicht war.
      Ja, mit den meisten anderen Darstellern schreibe ich noch ab und zu. Ich habe mir auch vorgenommen, die „eingeschlafenen“ Kontakte bald noch einmal aufzuwecken!

  3. Was für eine coole Erfahrung. Wann können wir den Film sehen Larry?
    Spielst du da den Guten oder den bösen Schurken?
    Ja, rede mal mit deinem Weib. Die kann ja ganz gut schreiben und soll sich doch eine richtig super Story für ein Drehbuch ausdenken.
    Wir werden das ganze dann noch musikalisch ausstaffieren und schon haben wir ein Musical mit dir als singender Hauptheld.
    Mir geht immer noch die Geschichte im Kopf rum die ihr mal als Rollenspiel hattet, mit der Wasserdame und der Vermählung mit einem Jüngling aus dem Dorf.

  4. Hi Larry,

    freut mich für Dich, dass du diese Erfahrung machen konntest und dass Du, auch nach den ersten Tagen die wohl nicht so toll gewesen sind, eine gute Zeit hattest.

    LG Michi

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