Plötze stellt sich vor

Plötze, das ist unser Van. Ein Fiat Ducato Baujahr 2005. Stehhöhe hat er und billig war er. Zumindest in der Anschaffung. Gekauft haben wir ihn Sommer 2017. Die Videos in denen Vans innerhab eines Monats wohntauglich umgebaut werden sind nur für Übermenschen. Normalsterbliche wie wir haben da gar keine Ahnung und fangen einfach mal irgendwie an, um dann einen Fehler nach dem anderen zu machen. Jeder winzigste Schritt wird tausendfach recherchiert, nur um dann festzustellen, dass man das trotzdem mal einfach irgendwie machen muss.

Tja. Wenn du vorhast so etwas zu machen, dann stell dich einfach schon mal darauf ein, dass es nicht glatt laufen wird. Sei nicht frustriert wenn es länger braucht als in einem Youtube Video und bleib einfach dran. Dann klappt das schon.

Da wir fast immer in entgegengesetzten Arbeitsschichten gearbeitet haben, konnten wir auch nicht wirklich zusammen arbeiten.

Als wir schließlich im Februar eingezogen sind, wohnten wir also erst mal im Rohbau. Nackte Wände, eiskalter Fußboden und der Strom durfte nur sparsam genutzt werden. Kurz, die erste Zeit war uncool. Die Laptops haben zuviel Strom gebraucht, Wlan hatten wir sowieso nicht und alles war irgendwie sonstwo verstaut. Wenn ich nachts nach der Arbeit heimkam, war Larry schon am schlafen. Für meinen Feierabend hockte ich mich auf den Boden vor die aufgedrehte Standheizung und sah mir ein paar heruntergeladene Filme auf Netflix an. Morgends besorgte ich dann etwas zu futtern, meist Salat, um in Larrys Mittagspause mit ihm zusammen zu essen. Anschließend musste ich immer viel Putzen und abwaschen, um einen halbwegs ordentlichen Plötze zu bekommen. Dann gings wieder zur Arbeit, und Larry hatte Feierabend.

Sehr schnell mündete das in dem ersten Vanlifekoller. „Alles ist dreckig, alles ist hässlich und alles ist total doof…“. Nach dem ich minutenlang über diesen Zustand jammerte und litt, fragte mich Larry bestürtzt ob es ein Fehler war in den Van zu ziehen. Und obwohl ich in dem Moment alles nur noch schwarz sah, konnte ich nicht behaupten, dass ich es bereuen würde.

Würde ich es also immer wieder tun? Ja.

Obwohl ich nun nicht mehr meine Körperhygiene zu jeder Zeit verschwenderisch ausführlich betreiben kann, und obwohl ich jetzt Geschirr von Hand spüle, und dabei auch noch Wasser sparen muss, und obwohl ich vom Klo gar nicht erst anfangen möchte, wohnen wir jetzt in unseren eigenen vier Wänden.

Das Gefühl, Eigentum zu verbessern oder kaputt zu machen, unterscheidet sich grundlegend von dem Gefühl etwas Geliehenes zu pflegen oder zu demolieren.

Klar möchte ich langfristig wieder in einem Haus wohnen, mit einer Dusche und einem Ofen. Aber solange es nicht mein eigenes Haus ist, bevorzuge ich erst mal Plötze 🙂

3 Gedanken zu “Plötze stellt sich vor”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.