Unsere Reise bis Riga

Vor nun zwei Wochen haben wir uns mit einem Fest, das nebenbei auch unser Hochzeitsfest war, verabschiedet. Unser Plan sah vor, dass wir Plötze in der Woche vor der Feier fit machen, um dann direkt nach dem Aufräumen mit wehenden Fahnen in die Ferne zu fahren.

Die Wirklichkeit sah so aus, dass wir Plötze wegen Krankheit und wichtigeren Aufgaben erstmal auf nach dem Fest verschoben haben. Dann, so haben wir uns vorgenommen, sollte die Küche neu gemacht, das Klo aufgerüstet, der Boden gefliest und, falls noch Zeit wäre, eine paar andere Kleinigkeiten gemacht werden. Daraufhin wären wir gerne gemütlich losgefahren um ein paar in Deutschland verstreute Freunde nach und nach zu besuchen um zu guter Letzt unsere Aufwartung beim Doppelgeburtstag meiner Großeltern zu machen. Die Zeit hat gerade so gereicht, um das Nötigste am Wohnmobil fertig zu machen und dann über Nacht nach Forst zur Familienfeier zu rasen, nicht ohne die Hälfte an dem Gepäck zu vergessen, das wir gerne dabei gehabt hätten. Jetzt muss ich halt Ukulele statt Gitarre spielen 🙁

Von Forst (Lausitz) ging es dann erstmal nach Berlin, um Alexas Bruder zu besuchen, uns eine Dusche zu gönnen und anzufangen, an dieser Webseite zu basteln. Letzteres haben wir natürlich ganz zeitgemäß in einem Starbucks erledigt, wo es immerhin Steckdosen für die Laptops gibt. Von diesem Zeitpunkt an haben wir bei jeder Gelegenheit einen Starbucks oder ein vergleichbares Café aufgesucht um die Laptops auszupacken und weiter an der Seite zu arbeiten.

Nach Berlin sollte es dann eigentlich über Dänemark nach Skandinavien gehen, jedoch haben mich Plötzes schleifende Bremsen davon abgehalten, den direkten Weg ins teure Skandinavien zu gehen und erst einmal, einem gut gemeinten Rat folgend, den Polenmarkt bei Hohenwutzen aufzusuchen. Dort würde ich alles „günstig“ (=billig) bekommen, was ich mir nur wünschen könne, auch Werkzeug und Ersatzteile oder auch einfach die Dienstleistung eines Autoschraubers. Also sind wir dorthin gefahren, nicht ohne einen Abstecher in einen großen Baumarkt zu machen, wo ich die restlichen Teile für unsere Wasserfilteranlage und die Klimmzugstange besorgt habe. Zumindest die Klimmzugstange ist bereits wohl erprobt und funktioniert bestens, wenn das Dachfenster hochgestellt ist 😉

Der Polenmarkt war eher enttäuschend. Zigaretten und Alkohol an jeder Ecke, gebrannte DVDs, Klamotten und eine Menge Gerümpel, das vom Frachtschiff aus China heruntergefallen sein muss. Autoteile gab es nur in Form von Radzierblenden und dem üblichen „Tuning“-Zubehör. Werkzeug und Ersatzteile konnte ich nicht finden. Auch die ansässigen Werkstätten konnten mir nicht weiterhelfen. Billig war dort übrigens auch nichts 😉

Also sind wir auf gut Glück weiter nach Stettin gefahren, da wir nochmal im Starbucks an der Webseite feilen wollten, um daraufhin noch eine Weile Richtung Danzig zu fahren. Irgendwo an der Strecke haben wir uns einen Schlafplatz gesucht. Damit ihr einen Eindruck erhaltet, welche Art von Schlafplätzen wir normalerweise ansteuern, habe ich noch ein Bild vom Schlafplatz zwischen Stettin und Danzig eingefügt. Möglichst naturnah und versteckt vor der Zivilisation 🙂

Leider können weder Alexa noch ich mich an die genaue Position erinnern. Ich weiß nur noch, dass der Weg zu diesem Platz Google nicht bekannt war und eher von Traktoren als von PKWs geschweige denn Wohnmobilen genutzt wird. Das ist für uns aber auch nichts Neues, da diese wunderschönen, abgeschiedenen Plätze nahezu ausschließlich über solche Rumpelwege erreichbar sind. In solchen Fällen bin ich froh, dass Plötze noch vergleichsweise klein ist. Dennoch bin ich gespannt, wie gut das Fahrwerk das auf Dauer mitmacht.

Für den nächsten Tag haben wir uns dazu entschlossen, in Danzig einen Campingplatz anzusteuern. Es wurde wieder Zeit für eine richtige Dusche, außerdem hätten wir gerne unsere Laptops zur Abwechslung im Wohnmobil statt im Starbucks genutzt. Das Duschen klappte, wenn auch kalt, und Strom hatten wir auch. Nur das WLAN war „kaputt“, wie uns die leicht unfreundliche Empfangsdame auf Nachfrage erklärt hat. Dafür durften wir ein nettes, holländisches Rentnerpärchen, Fred und Els, kennen lernen. Sie waren auf uns zugegangen, weil sie den schick angemalten Plötze bewunderten und bezeichneten uns als „Hippies des 21. Jahrhunderts“. Ich glaube ich freue mich über diesen Titel 🙂

Fred und Els haben ein bisschen von ihrem Leben erzählt, das mittlerweile so aussieht, dass sie im Jahr 10 Monate mit dem Wohnmobil herumreisen und zweimal im Jahr für einen Monat nach Hause kommen um die Arztbesuche und sonstige bürokratische Angelegenheiten zu erledigen. Durchaus ein Konzept, mit dem ich mich anfreunden könnte, jetzt brauchen wir nur noch eine Rente! Die beiden haben ebenfalls eine Webseite, auf der Sie ihre Reisen dokumentieren. Wer ein wenig interessiert ist, kann ja mal Els en Fred googeln.

Natürlich haben sie es sich nicht nehmen lassen, unseren Plötze durch den Liedtext von „Viel Glück und viel Segen…“ etwas aufzuwerten 🙂

Fred, der eine noch freie und saubere Stelle verziert.

Einen Tag später sind wir dann in die Innenstadt von Danzig rein gefahren. Es gab sogar kostenlose Parkplätze direkt auf einer Insel in einem Seitenkanal bei der Innenstadt. Es gab zwar für die Brücken eine Gewichtsbeschränkung von 2,5t, da sind wir aber (wenn überhaupt) nur marginal drüber. Es hat schon ein paar Vorteile, klein und leicht zu sein!

Die Innenstadt selbst ist schön und hat Flair. Hier habe ich erst bemerkt, dass ich eine Affinität zu alten Städten am Wasser habe. Außer ein wenig herumzuschlendern und die Stadt auf uns wirken zu lassen, sowie mal wieder ein Café mit WLAN aufzusuchen, haben wir aber nichts gemacht. Erwähnenswert ist noch das MANNA 68, ein rein vegetarisches Restaurant, das vollwertige, leckere und preiswerte Gerichte auf der Speisekarte hat. Es war angenehm, beim Durchlesen der Speisekarte die volle Auswahl zu haben 🙂

Hier noch zwei Bilder von uns in der schönen Danziger Innenstadt.

Von Danzig aus sind wir dann direkt weiter nach Riga gefahren, wobei wir auf der Hälfte der Strecke bei Suwalken eine weitere Pause eingelegt haben. Es war wieder ein wunderschöner, versteckter Platz in einem Wald direkt am See. Leider haben wir nicht viel davon gehabt, da wir ein gefundenes Fressen für eine Armada von Mücken waren. Also mussten wir den Abend drinnen verbringen. Der nächste Morgen war fast mückenfrei, wir konnten sogar das ein oder andere Foto schießen.

Der Ausblick vom Bett auf den See ist idyllisch.
Es lohnt sich auch, ans Ufer zu kommen, wenn die Mücken Verdauungsschlaf halten.

Zur übrigen Fahrt lässt sich nur soviel sagen, dass gerade die Strecke zwischen Danzig und Suwalken wunderschön ist. Die Landschaft erinnert ein wenig an das Allgäu, scheint jedoch weniger dicht besiedelt und stellenweise auch naturbelassener und dynamischer zu sein. Bisher eine der schönsten Gegenden, die wir sehen durften. Im Nachhinein war es ein Fehler, da einfach durch zu fahren und nicht noch einmal eine Rast einzulegen einfach nur um dort etwas zu verweilen.

Verabschiedet hat Polen uns mit unserer ersten Polizeikontrolle. Sie hatten zum Glück nichts auszusetzen. Bevor wir weiterfuhren, deutete der Polizist auf Plötze und fragte mit starkem Akzent:

„was ist das?“

Die Fahrt durch Litauen war im Gegensatz zum vorherigen Abschnitt richtig öde, die Landschaft war eben und die gesamte Strecke entlang eintönig. Bemerkenswert waren die sehr niedrigen Preise für Lebensmittel und Kraftstoff (Diesel ca. 1,10€/l). Auch schienen die Menschen im Gegensatz zu den Polen meistens wieder Englisch sprechen zu können, wie wir bei einem Zwischenstopp an einem lokalen Supermarkt erfahren durften. Den Übergang zu Lettland haben wir nicht bemerkt und sind relativ zügig nach Riga gekommen. Die Stadt haben wir erstmal links liegen lassen und sind direkt auf einen kostenlosen Strandparkplatz im Norden gefahren, um dort noch eine eiskalte Dusche am Strand mitzunehmen und die Nacht zu verbringen.

Wie es dort aussieht und wie uns Riga gefällt, schreiben wir dann im nächsten Beitrag 🙂

4 Gedanken zu “Unsere Reise bis Riga”

  1. Ich finde die ersten Beiträge schon wunderbar geschrieben und freue mich auf mehr ihr zwei Hippies des 21. Jahrhunderts…finde ich auch, dass das ein toller Titel ist 😘

  2. „was ist das?“
    Da musst ich gerade lachen, aber es war wohl eine berechtigte Frage des polnischen Polizisten!
    Schön, dass auch Fred und Els sich verewigt haben und ich bin gespannt, was noch so dazu kommt. Eine tolle Klimmzugstange habt ihr ja nun. Ich freue mich auf weitere tolle Texte von euch über Land und Leute und natürlich viele Fotos von euch.

  3. Liebe Hippies des 21K😉
    mit Tränen in den Augen, sei es aus Mitgefühl, Freude und/oder Berührung lese ich eure Berichte. Alles ist so genau beschrieben, das richtige Bilder vor meinen Augen entstehen auch wenn nicht alle Bilder besonders schön sind…… aber auch solche Bilder gehören dazu🤢🤮
    Eine tolle Idee, dass wir an eurer Erlebnisreise teilhaben können und dürfen.
    Freue mich auf alle kommen Beiträge.
    Liebe Grüße und viele schöne Erlebnisse.
    Plötze halte durch!!!😊
    Eure Elli 😘

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