Weltreise in Deutschland

Jetzt waren wir nicht einmal zwei Monate weg und tingeln schon wieder in Deutschland rum. WTF… Man könnte echt meinen, wir wollen eigentlich gar nicht weg.

Wieso tun wir sowas?

Nachdem in Stockholm Larrys Geldbeutel geklaut wurde, haben wir einige Entscheidungen getroffen. Einerseits wussten wir, wir müssen nach Deutschland fahren und einen neuen Führerschein beantragen. Außerdem wussten wir, dass wir einen ziemlich großen Teil der EU in ziemlich kurzer Zeit befahren haben, und deswegen entweder zu schnell sind, oder die EU zu klein. Wir beschlossen also nach Leutkirch zu fahren, um die Bürokratie zu erledigen und Visa für den Iran und Pakistan zu beantragen.

In Deutschland wurden wir schlagartig vom Regenblues befreit. Dienstag kamen wir in Berlin an und schliefen am hübschen Weissensee, der uns von Lukas empfohlen wurde, den wir ein Stück des Weges mitgenommen hatten.

Mittwoch nutzten wir den Sonnenschein und sägten vor einem Baumarkt ein neues Regal aus. Die gefühlten 40 Grad waren eine echte Wohltat nach Skandinavien. Am Abend gabs Käsespätzle mit Tomatensoße bei Arndt und Nisa. Eine echte Tradition, der sich Larry verweigerte.

Larry weiht unsere coolen neuen Böcke ein und möchte einen Subwoofer bauen. Ich baue ein Regal.

Am Donnerstag standen wir dann vor dem Obi zum weiteren Sägen. Es kam uns naheliegend vor, auf dem Parkplatz eines Baumakts zu bauen. Aber andererseits haben wir noch niemanden sonst gesehen der da gewerkelt hat. Was denkt ihr? Ist das trotzdem normal? Am Abend zeigten uns Bibi und Heinz ihre coole VR Brille bei einem Horrorgame. Wir sind jetzt sehr neidisch und wollen auch mal eine 🙂

Am Freitag beschloßen wir, dass wir eigentlich noch Arndts 30sten am Samstag mitfeiern können. Laura und Lilli kamen auch zu Besuch und wir schauten zusammen die Serie unserer Kindheit: Pokemon.

Am Samstag feierten wir Arndts Geburtstag und lernten dabei ein paar seiner echt netten Kumpel kennen. Außerdem vertraute uns Arndt die geheime Rezeptur seines berühmten Lieblingsshots an: Die polnische Rakete! Wodka, Himbeersirup und Tabasko. Seine Party hatte alles was man für ein neues Lebensjahrzehnt so braucht! Gute Gespräche, interessante Musik, ein wenig Drama und ein nicer Club! 🙂

Arndt, nachdem er am Morgen seines Geburtstags aus 4000m Höhe gesprungen ist. Der anschließende Sekt tat ihm gut.

Irgendwann am Sonntag gings dann weiter und am Abend trafen wir Veit, Jelena und Bernd das Brot in Erfurt. Wir bekamen eine super Stadtrundführung mit geschichtlichen Hintergründen und kulinarischen Geheimtips (dafür darfst du bei den nächsten Konzerten vorne sitzen, Veit). Wir sind uns einig, das Erfurt die bisher schönste deutsche Stadt ist, die wir kennen. Ein Besuch lohnt sich! Vor allem wenn Veit da ist und Cocktails macht! Am nächsten Tag bewunderten wir noch seine Studentenbude, aus der er demnächst auszieht, um erwachsen zu werden.

Für Plötze war das alles zu streßig. Er hat sich ein paar mal geweigert, weiter zu fahren.

Von Dienstag auf Mittwoch waren wir dann in Bonn, wo mir Laura einen tollen kleinen Tippseljob bei ihrem Arbeitgeber vermittelte! Ich kann jetzt also von unterwegs aus noch total super Geld verdienen! Danke nochmal dafür! Außerdem brachte ich meiner Nichte Lilli noch ein paar böse Angewohnheiten bei, wie Graben und Teppiche scharren. Als angehende Teenagerin braucht sie das zum rebellieren.

Bei einem ausgedehnten Spaziergang folgen wir diesem netten Fluß in Bonn. Laura und Larry stellen die Szene aus Dirty Dancing nach, …
… während ich mit meiner Lieblingsnichte Lilli im schlammigen Wasser spazieren gehe.
Später bekam die verwöhnte und extravagante Lilli ein Fleischkäse-Hunde-Eis. Wie jedes Kind schlang sie und hatte anschließend Hirnfrost.

Von Mittwoch auf Donnerstag versuchte ich Maja in Liptingen auch etwas bei zu bringen, hatte da aber weniger Erfolg. Mit meinen Schwiegereltern tauschten wir uns dann über unsere Erlebnisse in Skandinavien aus, wo sie zur selben Zeit eine ähnliche Route gefahren sind, nur andersherum.

Von Donnerstag auf Freitag gruselten wir uns mit meiner Mama bei einem Horrorfilm im Kino (Annabelle 3) und wir beantragten einen neuen Führerschein für Larry, sowie internationale Führerscheine für uns beide.

Freitag bekamen wir dann eine private Stadtrundführung von meiner Cousine Oda in Tübingen. Da Oda ein sehr pragmatischer Mensch ist, wissen wir jetzt zwar nichts historisches von der Stadt, aber wir wissen wo man am besten ein Nickerchen macht (Friedhof) und wo man die günstigste Eiscreme bekommt (Osiander). Danach hatten wir wohl die absurdeste Nacht unseres Lebens. Geht mal mit Oda feiern, dann wisst ihr vielleicht was ich meine. Aber auch weil Oda und ihre Mitbewohnerinnen super Gastgeberinnen sind, lohnt sich ein Besuch bei ihr!

Hier vermittel ich grad meine jüngst erworbenen Ukulele-Kenntnisse an die dankbare Schülerin Alena. An Oda muss ich nichts vermitteln, sie singt einfach toll!

Samstagabend fuhren wir Odas (und jetzt auch unsere) Freundin Alena nach Hause, wo wir am Sonntag bei Karlsruhe mit ihrem Opa seinen 93. Geburtstag feierten. Nachdem ich vehement aufgefordert wurde etwas vor zu spielen, und mein Repertoire nicht viel mehr zu bieten hatte als den Pokemon Titelsong, habe ich beschlossen, noch ein paar vernünftige Lieder zu lernen.

Larry spricht mir gut zu, als ich mich vor Publikum mehrmals verspiele. Egal. The Show must go on!

Damit endet unser Zwischenstopp in Deutschland.

Als wir noch arbeiteten, machten wir in Jahren kaum einen Bruchteil von dem, was wir in den letzten zwei Wochen getan haben. Und so hätte es nochmal genauso lang weitergehen können, ohne langweilig zu werden. Als eingespanntes Mitglied der Gesellschaft haben wir unsere Freizeit genau geplant. Für eine Geburtstagsfeier eines fremden Mannes ist da einfach kein Platz! Und das ist ziemlich schade, denn wir haben es sehr genossen. Aber wenn man nur 5 Wochen Urlaub im Jahr hat, kann man nicht einfach mal los fahren und schauen wer Zeit hat. Man kann nicht riskieren in seiner raren Freizeit nicht entweder optimal zu entspannen oder etwas Ultimatives zu erleben! Und dabei ist auch kein Platz für Hallelujah auf der Ukulele mit neuen Freunden. Und man kann auch nicht rausfinden wie gastfreundlich und großzügig sowohl langjährige Freunde als auch fremde Menschen sind.

Nichts desto trotz sind wir jetzt ziemlich geschafft. Die Zeit war toll aber auch sehr anstrengend, weil wir jeden Tag Programm hatten. Wir werden uns jetzt in Frankreich ein wenig entspannen, uns wieder um den Blog kümmern und raus finden wie unsere neue, coole Kamera funktioniert, bevor wir Mitte August schon wieder in Deutschland sind (Summerbreeze) und es dann (hoffentlich) Richtung Iran geht.

4 Gedanken zu “Weltreise in Deutschland”

  1. Ihr habt in diesen 2 Monaten Makro-Europa erlebt. Mikro-Europa aber wohl nicht. Wenn ich eure Route durch Skandinavien verfolgte und deren Ableitung ueber die Zeit, dann musste ich mal zwischendurch an Dr. Kimble in der Serie ‚Auf der Flucht‘ denken. Ja, mit der Serie bin ich gross geworden.
    Was ist mal mit ‚chillen‘ zwischenduch? Oder habt ihr irgendwo zwischendurch was ausgefressen und versucht nun eure Spuren zu beseitigen?
    Ich habe Deutschland auch erst die letzten Jahre angefangen kennenzulernen, eigentlich schade. Bin stattdessen an allen moeglichen Plaetzen auf der Welt gewesen, nach dem Motto ‚Yeah ich war da.‘ Aber wirklich erlebt habe ich als Reisender da nicht viel. Was weiss ich ueber Singalesen, Malaien, Inder, Indonesier, Amis, Aegypter usw. schon?
    Vielleicht denke ich auch langsamer wie Andere aber um ein anderes Land oder Kultur kennenzulernen muss ich da leben, und zwar fuer eine ganze Weile.
    Oder ist der Weg das Ziel?

    1. Ja Vater, da hast du irgendwie Recht. Wir haben immer bedauert nicht wie unsere Mitschüler nach dem Abi erst mal ins Ausland zu fahren. Wir haben gleich gelernt und gearbeitet, erlebt haben wir nicht besonders viel. Deswegen hatten wir auch keine Ahnung wie es sein würde einfach zu Reisen ohne ein Ziel zu haben. Das man da ziemlich mit sich allein gelassen ist wussten wir nicht.
      Wir wissen jetzt wie es ist im Van zu leben und zu arbeiten. Und wir wissen, wie es ist sich jede Nacht einen neuen Schlafplatz zu suchen und tagsüber immer neue Eindrücke zu haben. Aber wie ist es, wohin zu fahren, wo man unter normalen Umständen gar nicht erst hinfahren würde? Länder vor denen man Angst hat und in die man als Urlauber gar nicht reisen würde. Wir hoffen damit über uns hinaus zu wachsen und zu erfahren, dass die Menschen dort in Wirklichkeit auch nett und normal sind.
      Aber ich will nichts beschreien, unsere Visa wurden noch nicht ausgestellt. 🙂
      Kannst du uns denn ganz spezifisch etwas empfehlen was du die letzten Jahre so in Deutschland entdeckt hast?

      1. Tochter, ich staune. Ihr habt nicht viel erlebt? Ihr habt:
        – Klamotten designt.
        – Festigkeitsrechnungen mit dem Cremona Plan erstellt.
        – Lothar B. Bilder gezeichnet (da muessen wir noch ein Woertchen reden).
        – Getanzt mit viel Leidenschaft und Koennen und es Anderen beigebracht.
        – Zahnpasta und Cremes selber hergestellt.
        – Zum Fruestueck Whisky getrunken.
        – Eine Kochlehre und einen Master daraufgelegt.
        – In einer Big Band gespielt und zusammen musiziert.
        – Fantastische Reisen in der Fantasie, eine Art Psychotherapie mit sich selber entwickelnden Geschichten (Naja, seitdem schlafe ich schlecht).
        – Einen Fiat Transporter zum Camper umgebaut.
        – Mitten im Winter in einem nicht isolierten Camper gezogen.
        – Jobs aufgegeben, und eine Hochzeit mit heidnischer Trauungszeremonie. Durchgefuehrt von einer Schamanin mit ihren Jungfrauen der Erde, der Luft, des Wassers und der Muelltrennung (ist auch wichtig).
        – Und nicht zu vergessen ihr habt bei der Hochzeit die Willkommen Drinks von Arndt, Oda, Nadja und Laura ueberlebt.
        Da waere noch so viel.
        Ich finde dass bei euch so viel Leben ist, so viele Ideen und so viel Erlebtes.
        Kann mir nicht vorstellen, dass es euch jemals langweilig wird.

        1. Ja, liebe Tochter, und unser Leben in Saudi-Arabien, und all die Reisen, die wir als Familie gemeinsam unternommen haben…. was Larry betrifft, kann ich nichts dazu sagen, aber er hat sicher auch vor euerer gemeinsamen Zeit schon ein sehr buntes Leben gehabt😉
          Ich freue mich schon sehr darauf, euch beide zu meiner Geschäftseröffnung am 2.September in Leutkirch dabeizuhaben! Und alle, die Lust haben, mit dabei zu sein! Ja, „Leben heißt Tun“ und erfordert Mut! Aber den haben wir alle zur Genüge!

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