Ist das eine Erörterung?

Vor einigen Monaten plapperte ich noch altklug vor mich her, wie ich es eben manchmal so tue.

„Jede Erfahrung ist besser als keine Erfahrung“

sagte ich da und fühlte mich weise. Und als würde das Leben mich verhöhnen, präsentierte es mir umgehend eine breite Palette an neuen Erfahrungen, manche davon mehr oder weniger erfreulich.

Dass ich aus meiner Kindheit eine kleine Nadelphobie mitgenommen habe, hat alles nur noch interessanter gemacht…

all die Spritzen

Bisher war das höchste der Gefühle eine Blutentnahme in der Ellbeuge. Und dafür hatte ich meine Stammarzthelferin, bei der ich immer auf eine Liege durfte, während sie mir gut zuredete. Aber dank der Konfrontationstherapie in den letzten Monaten, bin ich da schon fast ein alter Hase. Ich hatte Infusionen in der Ellbeuge, dem Handrücken und dem Unterarm und zwar alles im Sitzen 😎. Nur das eine Mal, als eine unerfahrene Schwester mehrmals nicht traf, wurde mir ein wenig anders.

Dann war da noch die Nadel in der Nuklearmedizin. Sie wurde direkt neben den Nippel gesetzt. Zugegeben, sie war sehr dünn und tat nicht weh, aber das ist einfach ein Bereich, wo Nadeln nun wirklich nichts verloren haben.

Und Biopsienadeln haben da erst recht nichts verloren. Sie sind auch nicht dünn und schmerzfrei sondern toppen immer noch die Best-Of-beschissene-Nadeln Rangliste. Sie stanzen mit einem lauten Knall eine Gewebeprobe aus dem Busen und das tut richtig weh. Ja, Schmerzmittel wurden vorher gespritzt, so wurde mir erspart den Schnitt mit dem Skalpell zu fühlen, aber das Gewebe unter der Haut war bei beiden Biopsien nicht sehr beeindruckt von den Betäubungsmitteln. Auch großzügiges Nachspritzen änderte daran nichts.

eine harmlos schauende Biopsienadel

Nicht ganz so dramatisch aber auch schmerzhaft ist das Anstechen des Ports. Unter dem Schlüsselbein wurde mir ein Port unter die Haut gesetzt. Das ist wie eine kleine, flache Dose, die mit einem Schlauch mit einer starken Ader verbunden ist. Man muss also nicht groß Suchen und auf eine gute Ader hoffen, man kann einfach die Nadel durch die Haut in den Port hauen und fertig. Das soll die Chemotherapie erleichtern, und weh tun soll das auch nicht, weil das ja „nur Haut“ ist. Aber anscheinend ist meine Haut, im Gegensatz zu anderen Häuten, mit Nerven durchzogen und es ist doch ziemlich schmerzhaft… Wie ist das bei dir? Gehörst du auch zu den ganz wenigen Menschen mit schmerzempfindlicher Haut?

Bei meinem ersten Port-Anstich wurde ich das fünfte Mal in meinem Leben ohnmächtig. Inklusive dramatischem Ganz-Körper-Krampf. Feritg gemacht hat mich nicht mal nur der Schmerz, sondern auch die Schwester. Sie plauderte nebenher davon, dass so ein Port immer mal wieder durchgespült werden müsse, da das Ding sonst verklumpt und verstopft und währenddessen drückte sie ein wenig Kochsalzlösung rein und ich fühlte sie genau, weil sie kälter war als ich. Das waren mir definitiv zu viele Informationen.

Was mir in all diesen Situationen zum wahren Freund geworden ist, ist ein Gummi-Ei, dass ich bei Amazon als Handtrainer gekauft habe. Während einer unangenehmen Situation kneifen oder beißen zu können, macht manches erträglicher.

Operiert werden

Kommen wir zu meiner nächsten neuen Erfahrung, die ich machen durfte. Wurdest du schonmal operiert? Bei mir wurde der Port gelegt, mein Tumor bekam ein Piercing, vier Lymphknoten wurden aus meiner Achsel entfernt und je ein Viertel meiner Eierstöcke wurde zur Kryokonservierung entnommen. Ich machte in der Nacht zuvor kein Auge zu, leistete den Nachtschwestern ein wenig Gesellschaft und spazierte im dunklen Krankenhaus umher. Früh am nächsten Morgen bekam ich dann erstmal einen Kittel, ein dünnes Universalhöschen das jeder Frau passt und ein starkes Beruhigungsmittel. Und dann wurde ich abgeholt. Ich lag im OP und all die Schwestern waren so geschäftig und routiniert. Erst bekam ich Sauerstoff und ein starkes Schmerzmittel von dem ich krass high wurde. Die Schwester meinte noch, ich solle in den Urlaub fahren und mir einen schönen Traum überlegen. Die Narkose kam mittels Infusion und ich war halt weg. Es wurde nicht runtergezählt und ich bin auch nicht weggedämmert, ich war einfach weg. In meiner ersten Erinnerung danach fragte mich die Schwester, ob ich etwas geträumt hatte. Ich sagte, ich hatte geträumt, dass ich Brustkrebs hätte. Aber das war die Wirklichkeit und geträumt hab ich in Wahrheit nichts. Hast du bei deiner Narkose etwa was geträumt? Ist das üblich?

Mir war kalt und elend zumute. Mit einer großen Heizlüftung wurde ich aufgewärmt und dann kam ich zurück auf mein Zimmer, wo mich meine Schwester und meine Mutter aufheiterten. Das war wenige Tage bevor in allen Krankenhäusern jeder Besuch untersagt wurde.

Am Abend wurde der Katheter entfernt. Einen Katheter zu tragen ist gar nicht mal unangenehm! Eigentlich hab ich ihn nicht mal gespürt. Und auch die Entfernung tat nicht weh. Aber, weil es die ersten Schritte nach der OP waren, wurde ich danach das dritte Mal in meinem Leben Ohnmächtig. Später wurde ich das vierte Mal ohnmächtig und kotzte dabei mein Bett voll… Die arme Nachtschwester… Eine tapfere Frau.

Und wie fühlt es sich jetzt an operiert zu werden? Wenn ich die Rückenlehne meines Bettes verstellt habe, hat das verbliebene OP Gas in meiner ganzen Bauchhöhle rumgegluckert. Alle Eingriffe haben natürlich ziemlich weh getan und mich daran gehindert normale Dinge zu tun, wie aus dem Bett aufzustehen oder auf der Seite zu schlafen. Aber erholt hab ich mich ziemlich schnell davon. Nach etwa zwei Wochen konnte ich mich wieder ganz gut bewegen, nur in meinem rechten Oberarm hab ich immer noch kein Gefühl.

Unter dem Strich kann man sagen, ich wurde nicht gerne operiert und die Narkose ist mir auch nicht sehr gut bekommen. Aber trotzdem war das noch nicht die unangenehmste meiner neuen Erfahrungen.

Überbringer schlechter Neuigkeiten

Wie sagt man seiner Mutter, das man Brustkrebs hat? Weil ich keine Ahnung hatte, bin ich damit einfach rausgeplatzt. Im Nachhinein hätte ich das vielleicht einleiten und beruhigende Dinge sagen sollen wie… es ist halb so schlimm wie es jetzt klingt… Ich werde auf jedenfall nicht sterben… Denkst du, ich hätte die Nachricht damit abmildern können?

Es war vergleichsweise leicht bei der Diagnose tapfer zu sein, aber sich bei den Telefonaten mit meiner Familie zusammenzureißen war unmöglich. Eine Erfahrung die ich niemandem wünsche.

Wenig schön war auch zu erfahren, dass mein Gentest positiv war. Es wurde ein bekanntes Brustkrebs verursachendes Gen gefunden, das ich von einem meiner Eltern haben muss. Das heißt, falls ich nach meiner Geburt nicht verwechselt wurde, könnten meine Geschwister das auch haben. Das fand ich wirklich schlimm, und mir bangte davor es meinen Leuten zu sagen. Aber meine Geschwister haben das total tapfer und cool aufgenommen. Sie wollen auch einen Gentest machen lassen.

Angst um jemanden haben

Aber die Erfahrung die ich aus der letzten Zeit am liebsten verdränge, ist die, bei der meine Schwester in Lebensgefahr schwebte. Wegen einer unentdeckten, verschleppten Blinddarmentzündung, mit der sie in den letzten Jahren schon oft in Krankenhäusern war, kam es während ihres Besuchs bei uns zu einem Blinddarmddurchbruch. Noch am Tag zuvor war sie wegen Schmerzen im Krankenhaus und wurde mit Buscopan heimgeschickt. Am Tag ihres Durchbruchs wurde sie auch fast wieder heimgeschickt. Wir standen schon draußen um sie wieder abzuholen. Aber zum Glück beschloss dann eine Gynäkologin spontan sie doch da zu behalten und eine diagnostische Laparoskopie zu machen. Dabei wurde der Durchbruch entdeckt und der Blinddarm entfernt. Sie war etwa eine Woche im Krankenhaus und dank Corona konnten wir sie nicht mal besuchen und trösten. Es erschreckt mich immer noch wie knapp das war.

Aber aus einem Pool von neuen Erfahrungen kann doch nicht jede schlecht sein, oder? Meinen anstehenden Haarverlust z.b. hab ich genutzt um allerhand Frisuren auszuprobieren.

Die Galerie der Frisuren

Als erstes natürlich die Frisur die für mich sowieso immer wieder im Raum stand.

Ein Pony.
Danach kam dieser kurze Pony. Hier ein Selfie kurz bevor mir meine Schwester zur nächsten Frisur verhalf.

Das war noch ganz witzig und getragen hab ich, vor allem den kurzen Pony eigentlich ganz gerne. Dann folgte…

ein Pagenkopf…

Der wurde durch einen beidseitigen Sidecut wieder etwas interessanter.

aber meine neue Lieblingsfrisur ist das auch nicht geworden.

Eine Woche vor dem prognostizierten Haarausfall rasierte mir Larry im Garten den Kopf. In der Vergangenheit habe ich diesen drastischen Schritt schon einmal gemacht, weil meine experimentelle Frisur verschnitten war. Ich wusste also schon, das ich es nicht lieben würde.

hier etwa auf 1cm gekürzt.

Ausgefallen sind meine Haare dann etwa eineinhalb Wochen später, von einem auf den anderen Tag. Plötzlich konnte ich mit meinen Fingerspitzen ganze Büschel von Stoppeln aus meiner Kopfhaut ziehen. Ich dachte es würde ein schleichender Prozess sein, aber nein. Am dritten Tag rieb ich mit Spühlhandschuhen über meinen Kopf, das funktioniert bei Tierhaaren auf Polstermöbeln ja auch. Dabei wurde ich all mein loses Haar los. Und jetzt hab ich eine Glatze.

die Glatze überglänzt auch brav jedes Bild.

Immerhin weiß ich jetzt, dass ich später mal nichts davon wieder ausprobieren muss. Klar war der Pony eine Zeit lang ganz witzig, aber irgendwann nervte er doch. Ich werde mir wieder ganz normales, langes Haar wachsen lassen. Auf das war ich bisher am stolzesten.

Ein ganz authentisches Vanlife-Bild. Mit dreckigem Spiegel und Klopapier. Das ist im letzten September irgendwo in Spanien entstanden.

die Armee

Auch eine schöne Erfahrung war der wahnsinnige Rückhalt, den ich von meinem Umfeld bekam. Meine Schwester kam sogar runter nach Süddeutschland und verbrachte viel Zeit bei mir im Krankenhaus. Sie und meine anderen Besucher verkürzten die Zeit enorm und zerschlugen all meine Sorgen. Sie bot mir sogar eine solidarische Glatze an, aber dafür ist mir ihr Haar zu schade. Die Glatze teile ich mir lieber mit meinem Papa. Der Rückhalt aus meinem Umfeld gibt mir manchmal das Gefühl, mit einer ganzen Armee im Rücken in den Krieg zu ziehen.

Und natürlich bin ich noch verheiratet. Gemeinsam stark und gemeinsam schwach, so ist das bei uns. Larry unterstützt mich tatkräftig wo er nur kann, und da er über meine Erkrankung trauriger ist als ich, zieh ich ihn psychisch ein wenig hoch. Und nachts, wenn ich orientierungslos aufwache, ist er da und beruhigt mich. Und wenn ich von einem Alptraum aufwache, dann lausche ich nach seinem Atem, und weiß, dass alles gut ist. Nach neun Jahren Beziehung ist es schwer sich zu vergegenwärtigen, was man alles seinem Partner zu verdanken hat, weil man vergisst wie es ist, allein zu sein. Ich versuche trotzdem alles zu schätzen, was Larry für mich tut.

der alte Soldat

Und zu guter Letzt muss ich auch noch erwähnen, dass ich mich über mich selbst freuen kann. Unmittelbar nach der Diagnose schluckte ich meine Tränen runter und beschloss, ein alter Soldat zu sein. So wie meine Oma. Dieses Bild hat mir bis jetzt ziemlich viel Kraft gegeben. Ich hadere nicht mit meinem Schicksal, Brustkrebs zu haben. Ich versuche keinen weiteren Gedanken an etwas zu verschwenden, dass ich nicht ändern kann. So wie ich es auch von meinem Papa gelernt habe. Ich konzentriere mich auf alle guten Dinge die mich umgeben und bin doch ziemlich froh über so viel Glück. Es geht mir nicht immer gut, dank der Chemo verbringe ich sogar manch einen Tag im Bett (wo ich mein Handy stumm schalte und keinen Anruf annehme, sorry😬). Aber im Großen und Ganzen ist alles ok.

Ist jede Erfahrung besser als keine?

Ich selbst wage es nicht mehr das Leben so zu pauschalisieren. Es fühlt sich gut an, wenn man Kompliziertes in einen schneidigen kleinen Satz pressen kann, aber ob er der Sache gerecht wird, weiß ich nicht. Vielleicht zieh ich auch nur den Schwanz ein, weil ich nicht noch mal was beschwören will. Aber was denkst du darüber?

Zum Abschluss noch Larrys persönliche Galerie der Frisuren:

9 Gedanken zu “Ist das eine Erörterung?”

  1. Hallo ihr zwei,

    genauso wie Beni es beschrieben hat ging es auch mir.

    Danke für diesen berührenden Einblick! Bleibt positiv! Gute Besserung Alexa! Viele liebe Grüße an die ganze Familie.

    Ich finde ja den sidecut ganz dufte ; )

  2. Liebe Alexa,
    nachdem ich den dicken Kloß im Hals etwas heruntergeschluckt habe, möchte ich dir sagen, wie stark ich das finde, wie du uns über deine Krankheit berichtest.
    Ich wünsche dir, dem alten Soldat,
    ganz viel Kraft und Zuversicht beim Kampf gegen den sch… Krebs.
    Und ich bin froh über die ganze Armee, die dich unterstützt, insbesondere Larry.
    Ganz liebe Grüße
    Dani ❤️

  3. Liebe Lex,
    vielen Dank dass du deine Erfahrungen mit uns allen so offen teilst, es hilft, die vielen Facetten dieses Lebens nicht aus den Augen zu verlieren. Das Leben hat dir eine unglaubliche harte Prüfung vor die Füße geschmissen, wie es das gerne bei starken Menschen tut. Es möchte sehen, wie du über dich hinaus wächst und deinen Charakter mit allen Mitteln schleifen, um ihn zu veredeln. Das kann man sich vielleicht vorstellen wie mit Holz. Die Bäume, die besonders üblen Bedingungen ausgesetzt sind und vom Sturm gepeitscht und gebeugt werden, geben letztendlich besonders edle Resultate. Oder es ist wie wenn man einen besonders leckeren Kohlsalat machen möchte. Man zerstückelt den Kohl, versalzt ihm seine Existenz, drückt und stampft und prügelt beinahe auf ihn ein, um anschließend ein besonders tolles Ergebnis zu haben.
    Seit einigen Monaten wohnen wir nun alle Zusammen in Liptingen. Das ist sehr schön für mich und ich genieße die Zeit unwahrscheinlich mit euch. Deine Diagnose war ein unglaublicher Schock und hat mich direkt ins Herz getroffen. Durch deine Ruhe und Stärke aber, die du von Anfang an ausgestrahlt hast, hast du es aber geschafft, Zuversicht zu verbreiten und Ängste zu nehmen. Es ist unglaublich, wie tapfer du durch die letzten Monate gegangen bist, wieviel Kraft und positive Energie du ausstrahlst, dass du deinen Humor nicht verloren hast und auch immer ein offenes Ohr für uns alle, mit unseren kleinen Wehwehchen hast. Zu sehen, wie du das alles bewältigst, wie du mutig deinem Feind ins Auge schaust, finde ich unwahrscheinlich bereichernd, auch für mein eigenes Leben. Immer, wenn mir das Leben schwer fällt in der letzten Zeit und ein Mimimi mich droht hinab zu ziehen, denke ich an dich und ich richte mich mit geradem Rücken auf und versuche die Dinge anzupacken wie du, liebe Alexa.

    1. Nadja, ich musste so lachen bei deinen bildlichen Vergleichen. Alexa als Kohl, ja du hast recht. So wie die Indianer sagen dass ein Mensch ein Totemtier hat, so hat auch jeder Mensch ein Totemgemuese. Alles fuer das Kraftfeld und die Geister natuerlich.
      Oder als Baum im Sturm, einen Sturm der das Leben bedeutet und fuer manche nur ein laues Lueftchen parat hat und andere kriegen gleich einen Orkan ab, der sie aber stark und schoen macht wie du schreibst.
      Du hast sehr klug und mit viel Witz geschrieben.

  4. Mein Lexilotilot,

    guter Weg, du beschäftigst dich mit dem Krebs solcherart, dass er wohl einen Teil seines Schreckens verliert. Analysieren, sezieren, fokussieren, lieber genau hinschauen. Das ist nicht selbstverständlich bei uns Menschen. Es gibt ja genug Fluchtmöglichkeiten für unseren Geist um unliebsame Tatsachen zu verdrängen. Saufen (Lothar B.), Drogen, Arbeitssucht, usw. Sehr beliebt sind auch die Fluchtmöglichkeiten in virtuellen Welten wie in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Doch wie sehen diese typischerweise aus?

    Die Vergangenheit Typen ticken so:

    ‚Es war einmal ein kleines, feines Königreich welches von einem gütigen und gerechten Herrscher geführt wurde. Irgendwie war immer alles da und man begegnete nur lächelnden Menschen die einem voller Wärme versicherten, dass ein jeder einen liebte und auch spontan einen an die Hand nahmen und mitten auf der Strasse einen Reigen tanzten wenn ihnen danach war. Musik lag in der Luft. Man hatte natürlich auch seine Aufgaben und Pflichten, die man täglich gut-gelaunt vollbrachte. Seien es Kindergarten oder Schulbesuche in der Jugend, mit Lehrern die einem täglich ganz spannende Geschichten erzählten, die einem die Zeit vergessen ließen, oder später in einer Arbeit die einem leicht von der Hand ging. An den Abenden sass man mit seinen Liebsten am Tisch, eine heiße Tasse Tee mit beiden Händen umschließend und überlegte ob man heute mal den leckeren Serrano Schinken probieren sollte oder doch lieber den nach Heu und Wildblumen duftenden Bergkäse? Ach sei’s drum, am besten gleich beide.
    Natürlich kam es auch da vor, dass irgendetwas nicht so lief wie es sollte. Da musste man nur vor seinem Herrscher treten und sagen:
    – Lieber Koenig, ich habe da einen Arbeitskollegen der ein Arsch ist. Kannst du mir helfen und den Typen nach Asgat in dem mongolischen Bergdorf verbannen, ihm seinen Reisepass abnehmen und am besten auch gleich die Kniescheiben zertrümmern damit er nicht mehr zurückkommt?
    Und der gütige und weise Koenig erfüllte einem den Wunsch sogleich und der Wurm ward nicht mehr gesehen. Man hörte zwar noch eine zeitlang sein Schreien, welches aber immer leiser wurde je weiter das Lastkamel ihn trug auf welchem er gefesselt lag.
    Ja, ja diese Vergangenheit. So gut verpackt in einer Hülle voller Schutz, so dass einem nichts passieren konnte.

    Nun zu dem Zukunftstyp :

    Der hat es naturgemaess schwerer in der Gestaltung der Futur. Ist ja noch nichts passiert. Klar vieles deutet darauf hin, dass dieses oder jenes anstehen wird, aber wie es sein wird, entscheidet der Zukunftstyp ganz alleine in seinem Kopf und nach seinem dafürhalten. Und nun kommt es, ein jeder wird zum Deuter und Geschichtenerzähler der eigenen Zukunft. Und was ist eine Geschichte ohne Drama? So tut der Zukunftstyp Stück für Stück seine Zukunft modellieren und spart nicht an eingebauten Katastrophen und ‚worst case‘ Szenarien, grusel grusel so ein wohliger schauer über den Rücken ist auch nicht zu verachten. Aber wieso eigentlich nicht ‚best case‘ Szenarien, so wie der Vergangenheitstyp? Wegen der Evolution. Unsere Vorfahren, also deine UrUrUr^58 Grossvaeter mussten einfach annehmen, dass um der nächsten Ecke ein Saebelzahntieger lauerte oder ein Neandertaler mit einem schweren Knüppel zum Schädel einschlagen. Entsprechend vorsichtig linsten sie um die Ecke und da diese in 99% der Fälle frei war, konnten sie ihren Weg fortsetzen. Aber in diesem verbliebenen 1% der Fälle rettete dieses ‚worst case‘ Szenario ihnen das Leben. Hmm, hmmmmm ….. ok. Es hatte eine gewisse Berechtigung, zumindest solange es Saebelzahntieger gab. Doch brauchen wir noch diese Schreckensszenarien der Zukunft noch? Ich hatte über viele Jahre hinweg sehr mit Zukunftsängsten zu tun. Die waren sehr düster und quälend. Bis ich eines Tages die Schnauze gestrichen voll hatte und sagte ‚Ihr könnt mich mal‘. Das kam auch deswegen, weil ich feststellte dass diese ganzen Aengste nicht eintrafen es waren Nullnummern, ‚Es wird nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird‘. Eine sehr wahre Schwäbische Volksweisheit.

    So, jetzt haben wir die weich-gespülte Vergangenheit und auf der anderen Seite die schreckensbeladene Zukunft.

    Doch was ist mit dem Presens?

    Papa liebt dich und du siehst auf den Fotos und auf Larrys Fotomontagen total hübsch aus.

  5. Die Kriegerin lag auf ihrem Feldbett und blickte in die Dunkelheit. Um sie herum waren ihre Kameraden in tiefem Schlaf.
    Am nächsten Tag stand die große Schlacht bevor. Sie wusste, dass es der größte Kampf ihres Lebens sein würde. Dennoch war sie völlig ruhig und zuversichtlich. Aus irgendeinem Grund wusste sie ganz genau, dass sie gewinnen würde und dass sie siegreich aus dem Kampf hervorgehen würde. Sie wusste, dass sie nur ihrer Intuition folgen brauchte, um den Gegner zu besiegen.

  6. Eigentlich wollte ich mich nicht äussern, ich habe diese Krankheit ignoriert und versucht, einen ganz normalen Alltag zu leben , leider kam Corona dazwischen und auch ich war nervlich sehr „roh“, im Prinzip gab es keinen „normalen“ Alltag mehr, sondern Ungewissheit und Enge in einem neuerdings 6 -Personenhaushalt. Jedermanns Vorstellungen mussten unter einen Hut gebracht werden und ich habe gelernt , mich aus vielen Situationen herauszunehmen. Das war gut. Ich habe Alexa in den verschiedenen Etappen ihrer Therapie erlebt und bin verblüfft sagen zu können, nicht Resignation sondern Wachstum ihrer Persönlichkeit erleben zu können, es ist bewundernswert, mit welcher Konsequenz und Persönlichkeitsentwicklung diese harte Diagnose angegangen wurde und wird, auch bewundere ihre Hartnäckigkeit, mit der sie sich in dieser manchmal doch verrückten WG durchgesetzt hat, viele Änderungen habe ich dankbar angenommen und bereichern mittlerweile meinen Ablauf im Haushalt! Wir haben schöne und auch verrückte Zeiten miteinander geteilt wobei ich sagen muss, dass ich zu keinem Zeitpunkt erlebt habe, dass die Erkrankung im Mittelpunkt steht, es wurde fleissig gewerkelt, gekocht „bis der Arzt kommt“, gebouldert, spazieren gegangen usw! Ich halte dies für die gesündeste Herangehensweise, den Alltag und die Freuden des Lebens zu leben, das Vertauen in Mitmenschen und den behandelnden Ärzten zu erhalten und seine Selbstheilungskräfte dadurch zu nähren!!
    Weiter so!!!!!
    chapeau!!!

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